Heute um 22:55: kulturplatz
Das Olympiastadion - Stararchitekten und die chinesische Propagandafalle
Mithilfe der Prunkbauten westlicher Stararchitekten will das chinesische Regime ein fortschrittliches Image verbreiten. Das Olympiastadion der Schweizer Herzog & de Meuron ist als «Vogelnest» bereits zur Ikone geworden. Ein Dokumentarfilm zeigt jetzt dessen Entstehungsgeschichte. Doch namhafte Kritiker stellen die Frage nach der ethischen Verantwortung von Architekten. «kulturplatz» spricht mit Jacques Herzog und beleuchtet die aktuelle Diskussion: Leistet das Stadion Beihilfe zur Propaganda oder ist es ein Beitrag zur politischen Liberalisierung?
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So schreibt das Schweizer Fernsehen. Nun die Frage ist erlaubt: Warum baut man in einem Land wie China ein derart geiles Teil?
Bild: Andri Pol
Tolle Sachen kann man in menschenrechtsfeindlichen Staaten wie China (und aber auch in den VAE!) zurzeit sehr gut realisieren. Die Kohle stimmt und das Angebot "künstlerische Freiheit für Fortschrittspropaganda" passt für viele. Und so erstaunt es nicht, dass sich viele der weltweit grössten Architekturbüros in China tummeln und dort Prestigebauen hinklotzen:
Rem Koolhaas baut die künftige Sendezentrale des chinesischen Staatsfernsehens CCTV im Osten Pekings, von
Paul Andreu gibts ein Nationaltheater, das australischen Büro
PTW baut eine Schwimmhalle und
Norman Foster baut, was er am besten kann: ein blinkiblinki Riesenteil, ein 3. Terminal am Flughafen.
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das noch, danke.
Und irgendeinmal in diesem Sommer wird sich die Jugend der Welt in Peking treffen, werden Regierung und Sponsoren ein wochenlanges Riesenspektakel der Freude und der Fairness veranstalten, werden TV-Grinskater Themen wie Pressefreiheit und Demokratie gekonnt ausklammern und alle Sportler braungebrannt beteuern, dass sie halt nur Sportler seien und sich für Politik und so Sachen überhaupt nicht interessierten.
Zum Schluss: Im "Magazin" findet sich dieser
Artikel. Und folgender Absatz:
«Nein, ich habe keine befriedigende Antwort auf die Frage ‹Warum baut ihr für China?›», sagt Jacques Herzog bei meinem Besuch in Basel – um sich dann dennoch ausführlich zu rechtfertigen. «Ich kann nur sagen, dass wir bei diesem Bau keinerlei Konzessionen gemacht haben, wir haben uns niemals ideologisch einspannen lassen für eine Weltanschauung.» De Meuron und Herzog hoffen im Gegenteil, mit ihrer Arbeit vielleicht dazu beizutragen, den Geist der chinesischen Öffnung sichtbar und damit für die Machtträger auch verpflichtender zu machen. Pierre de Meuron sagt: «Ich glaube nicht, dass dieser Prozess der Öffnung umkehrbar ist. Und an diesem Wendepunkt der Geschichte zu sagen, ‹nein, für euch bauen wir nicht, weil ihr nicht unsere Demokratie habt›, wäre dumm. Es wäre sogar feige.»
Ansichtssache.