Kennen Sie den
Schimmelreiter? Das ist eine Novelle von
Theodor Storm.
Es ist die Geschichte von Hauke, Sohn eines Landvermessers und Kleinbauern. Statt mit seinen Kumpels zu spielen, schaut er lieber dem Meer zu und baut an seinem eigenen Deich. Er überlegt, wie man den Schutz vor Sturmfluten verbessern könnte, indem man die Deiche zur See hin länger anlegen würde.
Und so entdeckt er die richtige Form für so einen Deich, an einer Versammlung sagt er: »vor dreißig Jahren ist der alte Deich gebrochen; dann rückwärts vor fünfunddreißig, und wiederum vor fünfundvierzig Jahren; seitdem aber, obgleich er noch immer steil und unvernünftig dasteht, haben die höchsten Fluten uns verschont. Der neue Deich aber soll trotz solcher hundert und aber hundert Jahre stehen; denn er wird nicht durchbrochen werden,
weil der milde Abfall nach der Seeseite den Wellen keinen Angriffspunkt entgegenstellt, und so werdet ihr für euch und euere Kinder ein sicheres Land gewinnen, und das ist es, weshalb die Herrschaft und der Oberdeichgraf mir den Daumen halten; das ist es auch, was ihr zu eurem eigenen Vorteil einsehen solltet!«
Zum Schluss gibts eine grosse Flut, sein Deich hält, sein Weib stirbt, sein Kind auch und er stürzt sich darauf ebenso mitsamt Pferd in die Wassermenge, die das Land überflutet, und ruft dabei:
„Herr, Gott, nimm mich, verschon' die anderen!“
Das war so um 1888.
Und in Bern will man
120 Jahre später eine Mauer bauen, um das Wasser abzuweisen. Dabei schützen Mauern selten nachhaltig genug, das musste die BRD auch einsehen. Und mal davon abgesehen, dass das Teil spätestens 4 Stunden nach den Juhuiesistfertigfeierlichkeiten unter dem Patronat von Stadtpräsident Nause vollgesprayt wird, gibts dann noch ein Problem, wenn das Wasser dann trotzdem hinter die Mauer kommt.
Dann bleibt es wahrscheinlich dort.
(Vom
Bund von heute)